Eine kleine Geschichte zum Grundeinkommen

Ich habe einmal spontan für eine Diskussionsrunde zum Grundeinkommen eine Geschichte zusammengeschrieben, kam so ohne zu überlegen. Vielleicht kann die Geschichte weitergedacht werden, vorgelesen oder gespielt bei einer Veranstaltung. Nur so eine Idee.

Eine kleine Geschichte zum Grundeinkommen

Kinder kommen auf die Welt, warum eigentlich, wollten die dies?
Doch sicher nicht.

Also aus einem Selbsterhaltungstrieb, Egoismus, Freude, Lust, sicher kaum aus gesellschaftlicher Verantwortung.

Nun werden doch Eltern diese Kinder, diese Säuglinge nicht als Produkt sehen, sondern eher als, nicht immer ihrem Wunsch entsprechenden, Mitmenschen, es füttern, wickeln, pflegen, völlig ohne Gegenleistung, oder vielleicht langfristig angelegt, schön aufpäppeln, um später mal einen Mehrwert zu erzielen, sicher auch nicht.

Dann werden diese kleinen Menschen, die nicht sein wollten, älter und stellen fest, dass da plötzlich über sie bestimmt wird, sie sollen sich am Tisch benehmen, sollen nicht mehr in die Windeln scheißen, jetzt aufs Klo, sich waschen, den Müll runterbringen, ja warum eigentlich? Ach so, weil sie ernährt werden müssen.
Haben sie danach gefragt?

Der kleine Mensch lernt aber schnell und stellt fest, ja da ackern sich welche ab, manchmal nicht so richtig verständlich warum, haben doch ein Fahrrad, das macht ganz schön Spass, aber dann soll es ja ein Auto sein.
Nicht schlecht, kann man sich fortbewegen und trotzdem ganz schön rumtollen, besser als mit dem Fahrrad, das tut auch ganz schön weh, wenn man hinfällt.
Aber dann muß ein neues Auto her, das Alte fuhr ja noch, eigenartig, aber das wird gut erklärt……..

Um das aber alles zu haben, kannte der kleine Mensch vorher alles nicht, muß man aber etwas tun, sagen die großen Menschen, leuchtet ein, man ist ja nicht ganz blöd, obwohl die großen Menschen, das immer vermuten, da wundert man sich schon manchmal.

Also man ist einsichtig und bringt schön brav den Müll raus, hilft beim Autowaschen, wird ja versprochen, dann geht’s in den Zoo, das ist die Bezahlung, sagen die, ja wird nicht immer eingehalten, ist man in den Arsch gekniffen, wird man langsam aufmüpfig, weil man das ganze System nicht so recht versteht und auch manchmal außerodentlich unlogisch ist.

Der kleine Mensch wird aufsässig, verweigert sich, es gibt Streit, „so lange du deine Füße unter meinem Tisch stellst, bestimme ich“. Äh?, was ist denn in den gefahren.

Einsicht, nee, die sind doch bescheuert, unlogisch, genervt, unzufrieden, dabei waren sie mal so zufrieden, wenn ich mit dem Essen herumgepanscht habe, sie zum Lachen gebracht und jetzt das.

Ja der Papa wollte da mal was komisches von der Mama, die wollte aber nicht, da
wurde der ganz schön böse, ging dann raus in den Garten und arbeitete, da war aber alles schon gemacht und wie wütend er wurde, er schrie, alles muß ich alleine machen, die wollen nur haben, aber nichts für tun.

Na ja, ich glaube das ist nur wegen Mama, denn letzte Woche hat er noch gesagt, wie schön der Garten aussieht und wir alle so schön geholfen haben.

Man würde ja gerne weiter den Müll runterbringen und sein Zimmer aufräumen, aber da stimmt doch etwas nicht, jetzt soll man ohne Essen ins Bett, weil man nicht funktioniert hat.

Da habe ich, nicht unklug, ja vom Jugendamt gehört, Essen, Trinken, Wohnen und auch Kleidung müssen die mir geben, da muß ich nichts für tun, die dürfen mich auch nicht in den Keller sperren, nein ich habe sogar ein Anrecht auf ein Bett.

Ja super, das werde ich denen mal klarmachen, dass sie sich zu benehmen haben und wenn sie das dann gelernt haben von mir kleinem Menschen und runterkommen von ihrem hohen Roß und sie kapieren, dass es auch geht ohne ein Auto, es nicht geputzt und gewienert werden muß, dass der alte Fernseher, die zeigen ja doch nur blödes Zeug, auch reicht, es viel mehr Spass macht, zusammen in die Natur zu fahren, am besten mit dem Rad, dort ein paar Pilze sammeln, die kosten nichts, was haben die mir erklärt, wenn man etwas haben will, muß man was tun, hier nicht, das Sammeln macht sogar noch Spaß, komisch, na ja die Großen, ich wundere mich ja immer öfters über
sie, sich ins Gras legen, riecht gut, alles um einem herum bestaunen usw. usw., und die überlegen, warum sie so viel arbeiten, für wen oder was, und einsichtig werden, dann bringe ich auch wieder den Müll runter, ohne zu murren, ja ich lerne auch, denn da hatten die mal gute Argumente, man lernt fürs Leben, man arbeitet um zu leben und man lebt nicht um zu arbeiten, nicht für eine, was für ein Blödsinn, für eine Wirtschaft.

Mein Papa geht da immer hin aber nicht, um zu arbeiten, sondern der trinkt dort und hat Spass, manchmal ist er dann komisch spaßig und tollt mit mir rum, gefällt mir schon. Wenn er doch lieber öfters in die Wirtschaft ginge, als von der Wirtschaft zu sprechen. In der einen darf ich mal an seinem Bierschaum schlecken, ganz schön bitter, von der anderen Wirtschaft verstehe ich nichts, ganz schön langweilig.

Aber das wird mir immer besser erklärt, obwohl das schon etwas eigenartig ist.
Alle müssen etwas dazu beitragen, damit es uns gut geht, klar verstehe ich, als ich den Müll mal nicht runterbrachte, fing es an zu stinken, das leuchtete
mir dann schon ein.

Aber was ich jetzt alles machen muß, dass da etwas funktioniert, Dinge, die ich gar nicht gut finde.
Da wurde gerade eine breite Straße gebaut, vermutlich weil Papa immer ein größeres Auto möchte, aber jetzt kann man da nicht mehr einfach rüberlaufen, sehr gefährlich.

Das ist die Wirtschaft wird mir erklärt, wenn ich danach frage.

Ach so, ganz verstanden habe ich das nicht, gab es denn vor der breiten Straße keine Wirtschaft, ich habe gelernt, die meinen jetzt keine Gastwirtschaft, wo es das leckere Bier gibt, habe jetzt auch mal davon getrunken, nicht nur am Schaum geschleckt.

Langsam gefällt mir das große Auto ganz gut, mich stört auch die breite gefährliche Straße nicht mehr, habe mich dran gewöhnt, aber irgendwie stelle ich fest, ich muß jetzt viel mehr tun, als nur den Müll runterbringen, auch in der Schule, nicht mehr nur Bilder malen, sondern ganz komplizierte Dinge lernen. Ob ich die mal brauche, zu hause bislang nicht, aber was sagten sie, man lernt fürs Leben, mal sehen für was das gut ist, das Leben dauert ja noch, wie ich an den Großen sehe.

Da kommt dann zum Geburtstag der Chef von meinem Papa mit einem noch größeren Auto und wie dick der ist, raucht Zigarren, obwohl Mama das gar nicht mag, wenn Papa in der Wohnung raucht, aber der Chef darf das.

Frage ich später, warum hat der denn ein noch größeres Auto als wir, unseres ist doch eigentlich schon zu groß und fährt viel zu schnell, manchmal habe ich da Angst und warum ist der so dick und darf rauchen, aber Papa nicht und wenn er es trotzdem macht, ist Mama sauer und wenn er dann Mama so komisch anfäßt und sie nicht will, geht er wieder raus und putzt das Auto, obwohl es sauber ist.

Ja, sagt der Papa, das ist die Wirtschaft, wenn der Dicke nicht wäre, hätte ich keine Arbeit, schön denke ich erstmal, könnten wir öfters in die Natur fahren und Pilze sammeln, die schmecken dann immer so toll, besser als die vom Supermarkt, ich müßte unser Auto verkaufen, oh ja das kleine Bunte war ja so schön, da war das auch egal, wenn ich mal einen Kratzer reinmachte, eigentlich würde uns nicht viel fehlen, wenn die Wirtschaft nicht wäre,
denke ich.

Ja, ich glaube, ich muß noch viel lernen über die Wirtschaft und über dicke Chefs und so.

Papa hat gesagt, wenn ich ganz fleißig lerne, dann werde ich vielleicht auch so ein dicker Chef und darf überall rauchen.

Das mit dem Anfassen von Mama hat er mir noch nicht erklärt, nur so angedeutet, dass das dicke Chefs leichter machen können, das ist Wirtschaft.
Und wenn die das mal trotzdem nicht machen dürfen, gehen die nicht in den Garten und arbeiten, nein, dafür haben die jemanden, die gehen dann in ihre Firma und fassen Andere an und brüllen ein bißchen rum, bis es wieder gut ist.

Das werde ich mir mal überlegen.

Günter Schwarz